Wüstenzauber

Wir werden mit vier Jeeps abgeholt. Ich komme mit Charlotte und Gabi in das erste Fahrzeug. Das ist natürlich top. So sitzen wir mit unserem omanischen und deutschen Guide zusammen. Mahmood und Sabine.

Morgens sind wir in Nizwa. Siehe Reisebericht: „Muscat, Nizwa und Jabreen“.

Bevor es für drei Tage in die Wüste geht, heißt es, einen Großeinkauf für 18 Leute tätigen. Also steuern wir Lulu, einen riesigen Supermarkt an. Mahmood und Sabine kaufen den Proviant ein. Die Mitreisenden ohne Gepäck sind auf der Suche nach Schlafsäcken oder Decken. Ich mache mich alleine auf in die Schuhabteilung. Meine Trekking-Sandalen musste ich zu Hause beim Packen aussortieren, weil die absolut hinüber waren. Und im Winter bekommt man dann schlecht neue. Ich finde auch Trekking-Schuhe, aber nur für Männer. Dann frage ich halt den Verkäufer. Ein bisschen Englisch können die Omanis zum Glück ja alle und der Rest mache mit Händen und Füssen. In der Kinderabteilung werde ich dann fündig. Manchmal ist es doch gut, wenn man auf kleinem Fuß lebt. Ich komme auch mit einem anderen Kunden ins Gespräch. Und das auf Niederländisch! Weil er mal dort gearbeitet hat. Da fliege ich in den Vorderen Orient und was ist? Ich unterhalte mich auf Niederländisch. Die Welt ist schon schräg. Ich habe noch genügend Zeit bei den Gewürzen zu stöbern und mir etwas Kardamom mitzunehmen. Da kann ich zu Hause wieder schön neue Rezepte ausprobieren. Mehr nehme ich aber nicht mit. Schließlich ist unser Platz in den Autos begrenzt.

Nach dem wir alles in den Autos verstaut haben geht es los gen Wüste. Da unser Einkauf länger gedauert hat als geplant, gibt es nur ein schnelles Mittagessen auf die Hand an der Tankstelle. Ein paar Sandwiches und Orangensaft. Geht alles und ist schon irgendwie die Einstimmung auf unsere nächsten Tage. Wir fahren weiter. Erst noch über Asphalt, dann wird die Strecke plötzlich nur noch Schotterpiste und – ohne, dass es für mich auch nur irgendeinen Anhaltspunkt gibt, warum gerade hier – biegen wir rechts ab und steuern geradeaus auf die Wüste „Al Haqf“ zu. Das ist eine absolut ebene Wüste nur aus Stein mit bizarren Felsformationen. Man kann unendlich weit gucken und irgendwo flimmert der Horizont und ich habe keine Ahnung, wie weit diese Leere wohl noch reicht. Irgendwann steigen wir aus unseren Autos und gehen zu Fuß weiter. Die Autos fahren weiter zu unserem Nachtlager. Mein Fußabdruck sieht dem von Neil Armstrong ziemlich ähnlich. 😉 Da wandern wir durch die vermeidlich absolute Ödnis und doch wächst irgendwo immer noch etwas und krabbelt irgendein Käfer herum. Ist schon faszinierend. Da die Sonne relativ früh untergeht werfen die Steinformationen und wir selbst schon lange Schatten. Das sieht toll aus. Das ist eine absolut schöne Wanderung in einer Landschaft wie ich sie vorher noch nicht kannte. Wir erreichen unseren Rastplatz und die Fahrer haben schon begonnen abzuladen. Nun heißt es Zelt aufbauen. Jeder da, wo er mag. Manche suchen Schutz hinter den Autos, andere schlagen ihre Zelte in einer Reihe auf. Charlotte und ich sind erst einmal ein ganzes Stück weiter gezogen. Wenn man schon mal Platz hat, dann möchten wir ihn auch genießen. Und das Zelt haben wir eh nur als Lagerplatz für unser Gepäck und als mobiles Bade- und Ankleidezimmer. Geschlafen wird draußen unter freiem Himmel. Wir haben unsere Polstermatten und Schlafsäcke so ausgerichtet, dass wir in die unendliche Weite gucken können und Morgen auf jeden Fall genau in den Sonnenaufgang schauen werden.

Also, das Miteinander der Gruppe ist vom ersten Tag an super unkompliziert und sehr nett. Jeder hilft jedem beim Zeltaufbau und dann ist das auch schwupp-di-wupp erledigt. Zum Glück. So kann ich nämlich noch vor dem Essen auf die hinter uns liegen Felsen klettern und mir den Sonnenuntergang angucken. Von oben sieht unser Camp echt nett aus. Während wir die Zelte aufbauen, bauen unsere Fahrer die Tische und Stühle auf. Sie selber schlafen in Ihren Autos. Die Tische und Stühle sind nur für uns Gäste. Die Omanis sitzen ja typischer Weise auf dem Boden. Hätte ich auch passender gefunden, aber ich denke nicht alle Mitreisenden möchten auf dem Boden sitzen. Und so ist es auch ok, zusammen an einem langen Tisch zu sitzen. Unsere Fahrer grillen heute am ersten Abend Kingfish „Omani-Art“ für uns. Oh Mann, ist das lecker. Gegessen wird schon im Schein der Gaslampen, weil es hier nach dem Sonnenuntergang, so gegen 18:00 Uhr, recht schnell dunkel wird. Wir sitzen alle mit unseren Stirnlampen am Tisch. Nach dem Essen wird direkt gespült. Schließlich ist unser Geschirr abgezählt und wir brauchen das ja Morgen schon wieder zum Frühstücken. Danach sitzen wir noch etwas zusammen und Sabine liest uns noch zwei Geschichten von Sindbad dem Seefahrer vor. Jeder von uns kennt die Geschichten, aber wißt ihr, dass Sindbad aus dem Oman stammte? Ich bis jetzt noch nicht. Wir haben eine sternenklare Nacht und der Sternenhimmel ist gigantisch. Hier in der Wüste gibt es ja außer unseren Stirnlampen überhaupt kein Licht und so sehen wir unendlich viele Sterne. Aber wir sind schon so weit südlich, dass das Sternbild um fast 90 Grad gekippt ist. Anfangs rätseln wir alle, wo unsere bekannten Sternbilder liegen. Aber wenn man sich erst einmal dran gewöhnt hat, geht es. Dann heißt es Schlafen gehen. Aber nicht bevor uns Frauke erklärt hat wie man in der Wüste sein „großes Geschäft“ erledigt und dieses adäquat verbuddelt und markiert. 😉

Ein kleiner Exkurs für all diejenigen, die sich fragen, wie das denn mit der Körperpflege und der Toilette in der Wüste ist. Das ist die meistgestellt Frage, wenn ich von dieser Reise erzähle. Keiner fragt mich, wie denn die Wüste an sich so ist, sondern immer nur wie das denn mit der Toilette usw. geht. Eigentlich wie immer. Man geht auf´s Klo und wäscht sich. Fertig. Fließendes Wasser gibt es nur aus der Wasserflasche, aber auch das geht prima. Muss man sich nur dran gewöhnen und halt sparsamer als zu Hause mit dem Wasser sein. Und die Erfindung der Feuchttücher ist auch Gold wert. Wir sind alle gepflegt und ziehen auch nach drei Tagen in der Wüste keine unangenehme Duftwolke hinter uns her.     😉

Im Dezember ist es nachts auch im Oman recht frisch. Aber wir haben ja gute Schlafsäcke dabei und auch die richtige Kleidung für nachts. So mummeln Charlotte und ich uns in unsere Schlafsäcke, beglückwünschen uns noch gegenseitig, wie schön dieser erste Tag und die Wüste ist und wünschen uns eine tolle erste Nacht unter freiem Himmel. Ich liege noch einige Zeit wach und kann mich gar nicht am Sternenbild satt sehen. Eigentlich möchte ich gar nicht Schlafen, aber irgendwann fallen mir dann doch die Augen zu. Ich wache nachts des Öfteren auf, weil es recht windig geworden ist und mir der Wind in den Ohren heult. Morgen schlafe ich mit Kopftuch, aber heute bin ich zu bequem, dass jetzt noch mitten in der Nacht rauszusuchen. Durch das Aufwachen kann ich so immer mal wieder in den Sternenhimmel oder in die unendliche Weite gucken. Mittlerweile ist der Mond da und somit genügend Licht, dass man auch etwas erkennt. Ich schaue auf die Zelte meiner Mitreisenden und frage mich, wie sie wohl die erste Nacht in der Wüste empfinden. Und dann schlafe ich auch wieder ein.

Pünktlich zum Sonnenaufgang so gegen 5:30 wache ich auf. Oh, mein Gott, ist das schön. Geradeaus nichts als unendliche Weite aus weißem feinen Stein und am Horizont der rosa Schimmer der aufgehenden Sonne. Ich frage ganz leise, ob Charlotte auch wach ist und sie selbst sitzt auch schon auf ihrer Matte und genießt diesen Anblick. Es ist etwas dunstig, so dass die Sonne erst nur als Schimmer zu erkennen ist, bis sie es schafft durch den Dunst zu brechen und als leuchtender Ball vor uns aufsteigt. Ohne Worte. Einfach nur zum Genießen. Ich glaube außer uns, ist nur Kurt mit seiner Videokamera unterwegs. Die anderen schlafen noch und krabbeln erst nach und nach aus ihren Zelten. So gegen 6:30 ist dann Bewegung im Camp und es wird Frühstück gemacht. Es gibt Arabisches Brot mit: Nutella. Und ein hartgekochtes Ei. Dazu noch Müsli wer mag. Außerdem gibt es eine Fuhre heißes Wasser für Tee oder Kaffee. Für mich absolut ausreichend, so lang es Brot mit Nutella gibt. Nach dem Frühstück wieder gemeinsames Spülen, Zelt Abbauen und Autos packen.

Danach fahren wir zu zum Highlight der Al-Huqf-Wüste, dem „Mushroom“-Felsen. Der Sieht wirklich aus wie ein Pilz. Da gibt es einen ausführlichen Foto-Stop und ein erstes Gruppenfoto. Auf dem Weg zurück aus der Steinwüste Richtung Straße kommen wir noch an einem Kamelcamp vorbei. Mitten im Nichts. Man fragt sich: Wieso gerade hier? Zurück auf der Straße – die nur ölfördernde Orte miteinander verbindet – steuern wir erstmal eine Tankstelle an. Wir müssen volltanken. Schließlich sind wir ab jetzt 2 Tage komplett in der Wüste unterwegs. Wir fahren weiter. Wie gestern auch, verlassen wir irgendwann ganz plötzlich die Straße und fahren geradeaus ins Niemandsland. Erst ist die Landschaft noch steinig, aber ganz allmählich kommt immer mehr Sand dazu, bis die ersten Dünen da sind. Erst ganz vereinzelt und weit auseinander, aber dann werden es immer mehr und die Steine und der Schotter verschwinden. Wir müssen anhalten, weil die Fahrer Luft aus den Reifen lassen müssen, damit sie besser über den Sand und die Dünen fahren können. Für uns eine erste Gelegenheit eine Düne zu erklimmen. Schuhe aus, rein in den Sand und Hochstapfen. Herrlich. Ist aber nicht ohne, weil der Sand so fein ist, dass man immer wieder zurückrutscht. Aber die Aussicht von oben ist so schön. Es geht ein leichter Wind und es gibt schöne Sandverwehungen auf dem Dünenkamm. Dann geht es weiter. Das fahren über die Dünen macht wahnsinnig Spaß. Immer dieses „Anlauf“ nehmen und dieses Auf und Ab. Mahmood versucht auch zweimal die „große Düne“ raufzufahren, aber wir sind zu schwer und der Sand zu fein, so dass wir immer ganz kurz vor dem Scheitelpunkt doch wieder zurückrutschen. Das Auto hat es auch nicht leichter als wir zu Fuß. Wir fahren weiter. Bei dieser Landschaft verliere ich völlig das Gefühl für Raum und Zeit. Toll. Irgendwann halten wir in der Ebene, am Fuß einer hohen Düne an. Dies soll für heute unser Schlafplatz sein. Wieder campieren wir in Deutscher Reihenhaussiedlungsmanier. Unsere Zelte stehen einer neben dem anderen, hübsch aufgereiht. Charlotte und ich gehen so weit es irgendwie geht bis ans Ende der Düne und schlagen dort unser Lager auf.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg durch die Wüste. Wir arbeiten uns die Dünen nach oben, bis wir einen schönen Blick auf die untergehende Sonne haben. Bis zum Sonnenuntergang bleibt noch etwas Zeit. Manche von uns spazieren noch weiter umher, andere legen sich einfach in den warmen Sand. Charlotte sammelt Holz, was in der Wüste nicht so zahlreich vorkommt, weil wir heute ein Lagerfeuer machen wollen. Heute ist ja Silvester. Ich genieße die Lichtspiele im Sand. Je weiter die Sonne untergeht, desto dunkler und roter wird der Sand und die Muster der Schatten werden immer intensiver. Ich kann mich da gar nicht daran satt sehen. Irgendwann sitzen wir alle ganz andächtig zusammen auf der Dünne und genießen den Sonnenuntergang. Was für eine atemberaubende Aussicht und welch´ wunderbare Stille. Nachdem die Sonne untergegangen ist machen wir uns so langsam auf den Rückweg. Sobald die Sonne weg ist, wird es relativ schnell dunkel und man merkt, wie schnell der Sand abkühlt. Unsere Fahrer haben schon damit begonnen das Abendessen zu Kochen. Schade, ich wollte eigentlich mithelfen. Das Essen ist wie immer lecker. Nach dem Essen liest Sabine uns noch ein paar Geschichten von Sindbad dem Seefahrer vor. Dann machen wir unser Lagerfeuer. Da es ja schon um 18:30 dunkel ist und wir auch so gegen 19:00 Essen, wollen die meisten, dass wir Silvester „vorverlegen“. Das heißt, wir fangen bereits um 21:00 Uhr, nach Ortszeit Katmandu, damit an uns ein frohes neues Jahr zu wünschen. Unsere Fahrer gesellen sich zu uns und es ist eine entspannte und fröhliche Atmosphäre. Ich glaube unsere Fahrer finden es ein wenig seltsam, dass wir den Jahreswechsel schon 3 Stunden nach vorne verlegen. Feiern aber lustig mit uns mit. Danach folgt um 22:00 Uhr ein erneutes „Frohes Neues“ nach Karachi-Zeit. Der ein oder andere wandert danach schon ins Zelt zum Schlafen. Um 23:00 gibt es das Dritte und Letzte Anstoßen auf das neue Jahr nach unserer eigenen Omani-Zeit minus 1. Danach verabschieden sich dann alle ins Bett. Charlotte und ich köpfen noch einen geschmuggelten Piccolo. Ich kann und mag noch gar nicht Schlafen gehen. Da der Mond so hell scheint, gehe ich noch ein wenig durch die Wüste spazieren. Wir sind ja in einer großen und übersichtlichen Ebene, so dass man sich echt nicht verlaufen kann. Nachts durch die Wüste spazieren zu gehen hat noch mal was ganz eigenes. Es ist so unglaublich ruhig. So eine Art Stille habe ich noch nie vorher erlebt. Man kann sich gar nicht satt hören an dieser Stille. Ich bin ganz ergriffen davon. Ich sitze auf einer Düne und genieße einfach nur den Blick in die nächtliche Wüste. Die Farben sind jetzt ganz anders. Irgendwann taper ich zurück zu meinem Schlafplatz und mummel mich in meinen Schlafsack. Ich liege noch lange wach und schaue in den tollen Sternenhimmel. Was für eine Silvesternacht!

Wieder wache ich pünktlich mit der Sonne zusammen auf und werde erneut mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang belohnt. Auf einen wunderschönen Jahresanfang. 🙂 Alles ist noch ruhig. Bis Sabine laut ins Camp ruft, dass die Sonne jetzt aufgeht. Es gibt wieder ein gemütliches Frühstück. Diesmal muss erst jeder seinen Teller vom Vorabend spülen, weil dazu ja gestern keiner mehr Lust hatte. Nach dem Frühstück machen wir eine ausgedehnte Wanderung durch die Wüste. Wir sind ja frei von Raum und Zeit. Wir überqueren eine große Salzebene. Aber zwischendurch gibt es immer wieder kleinere Sanddünen mit vielen Tierspuren im Sand. An mir muss, den Spuren zur Folge, auch etwas in der Nacht vorbei gehoppelt sein. Jeder geht sein Tempo und seine Strecke die er mag. Die einen auf direktem Wege durch die Ebene bis zum Endpunkt, andere im Bogen außen herum. Irgendwann holen uns unsere vier Autos wieder ein. Das ist schon immer ein tolles Bild wenn die an uns vorbeifahren. Weiter geht es dann also wieder mit dem Auto die Dünen rauf und runter. Des Öfteren gibt es eine Zwangspause, weil immer mal wieder ein Auto stecken bleibt und von den anderen freigezogen werden muss. Für uns ist das natürlich immer eine schöne Gelegenheit wieder einen kleinen Abstecher in die Wüste zu machen. Irgendwann machen wir Rast zur Mittagspause. Diesmal müssen wir aber ein Zelt für den Schatten aufstellen, weil das sonst in der Mittagssonne echt zu heiß ist. Es gibt Salat und Brot und zum Nachtisch Dattelleckereien. Nach dem Essen müssen wir nicht direkt weiter. Viele dösen im Schatten vor sich hin. Ich ziehe mal wieder los. Unser Rastplatz ist dreiseitig von echt steilen Dünen umschlossen. Ich wandere bis zum Ende der Düne, so dass ich über den Grad bis zu unserem Camp laufen kann. Zwei, Drei andere folgen mir und wir können noch schöne Fotos von uns machen. Von hier aus sieht die Landschaft wie ein Alpenpanorama aus, nur halt aus Sand. Auf Höhe unseres Camps rutschen oder rennen wir die Steile Düne runter. Das macht ja mal richtig Laune.

Wir fahren weiter. Mahmood und Sabine überlegen vorne im Auto, wo wir unser nächstes Lager einrichten. Sabine würde am liebsten wieder ein Camp in der Ebene nehmen, weil das einfacher ist. Wir von der Rückbank unterhalten uns aber lautstark wie toll es doch wäre, mal weiter oben in den Dünen zu schlafen. Mahmood versteht, was wir ihm sagen wollen und wählt einen traumhaften Platz oben in den Dünen. Wir sind locker 30 bis 40 Meter über der Ebene. Die Aussicht ist der absolute Hammer. Diesmal ziehen Charlotte und ich unsere Sachen richtig weit weg und noch ´nen Stück weiter die Dünen rauf. Es gibt die obligatorische Sonnenuntergangswanderung. Wie immer ein Traum. Diesmal teilt sich die Gruppe. Jeder wählt eine andere hohe Düne für den vermeintlich besten Ausblick. Es ist so eine friedliche Stimmung. Nach dem Marsch die Dünen hoch sitzen wir einfach im Sand. Schweigen oder Plauschen und Genießen vor allem die grandiose Aussicht. Die Wüste ist jedes Mal so anders. Die Dünenformen variieren und haben so unterschiedliche Formen. Mal ganz steil, dann wieder flach. Mal gerade und dann wieder mehrfach geschwungen. Mal stehen sie eng zusammen, dann gehen sie wieder weit auseinander. Hab ich schon gesagt, dass ich mich daran gar nicht satt sehen kann? Zurück wähle ich den Weg über eine Ganz steile Düne mit einem sehr spitzen Grad. Diese führt aber direkt in unser Camp. Von ganz oben hat man einen tollen Blick auf unsere Zelte. Wieder zurück gibt es bald schon essen. Und das übliche Abendprogramm mit lustigem Zusammen sein beim Licht unserer Gas- oder Stirnlampen. Wieder mache ich mich, nach dem die anderen Schlafen gegangen sind zu einem kleinen Spaziergang auf. Diesmal bleibe ich aber in Sichtkontakt zum Camp. Sicher ist sicher. Ich genieße diese endlose Weite und dies Stille so sehr. Ich möchte gar nicht einschlafen und die letzte Nacht in der Wüste so lange genießen, wie es irgendwie geht.

Obwohl ich das Gefühl habe, mich zu Wiederholen, toppt der Sonnenaufgang am nächsten Morgen alles. Es ist ein unglaublicher Ausblick in die Dünen. Ich sitze beim Frühstück nicht am Tisch, sondern auf der Düne und genieße noch die letzten Ausblicke vom unserem fantastischen Standort. Wir wollen alle zu Fuß die steile Düne vor unserem Camp runter rennen bzw. laufen. 30 – 40 Meter Höhenunterschied. Dünen runter rennen macht sooo viel Spaß. Unsere Fahrer wollen dann diese Düne mit den Autos runter fahren. Beim ersten klappt das auch noch. Aber der zweite bleibt so heftig stecken, dass das ´ne gute Stunde dauert bis dieses Auto wieder frei ist. Ich genieße jede Minute, die uns zusätzlich in der Wüste geschenkt wird. Wie immer habe ich großen Trennungsschmerz von so einer schönen Landschaft. Bis dann endlich alle Autos unten sind gehen wir noch ein gutes und letztes Stück zu Fuß durch die Wüste. Dann heißt es endgültig Abschied nehmen. Ich bin ganz traurig, dass der Aufenthalt in der Wüste schon vorbei ist.

Gegen Mittag erreichen wir wieder die Landstraße. Tanken auf und Füllen die Reifen wieder mit Luft. Es gibt einen kleinen Imbiss und dann geht es weiter durch die größte Salzebene des Landes, die „Umm as Sameen“. Meine Güte. Dies ist wirklich ein unwirtliches Stück Landschaft. Da versteht man, dass es „Mutter des Giftes“ genannt wird. Hier kann mit Sicherheit wirklich nichts mehr wachsen. Die Erde ist total Salz verkrustet und hat so eine zerklüftete Oberfläche, dass man sich wieder wie auf dem Mond vorkommt. Wir fahren bestimmt gute 2 Stunde durch diese karge Gegend. Ich werde ganz melancholisch. Es ist über Stunden das absolut gleiche Bild. Und wir müssen sehr langsam fahren, um auf die Reifen aufzupassen, weil die Salzbrocken echt scharfkantig sind. So öde diese Landstrich auch ist, aber erst dadurch, dass wir so lange da durchfahren bekomme ich überhaupt ein Gefühl dafür wie riesig diese Salzebene ist. Ich bin aber ehrlich froh als wir dadurch sind.

Aber so schließt sich irgendwie der Kreis. Wir haben mit der Steinwüste Al Haqf angefangen, sind dann in die Sandwüste Rub al Khali gekommen und haben mit der Salzwüste abgeschlossen. Unglaublich wie unterschiedlichen diese verschiedenen Wüsten sein können.

Die Rub Al Khali Sandwüste ist aber mit Abstand die Schönste. ♥

Ich weiß jetzt schon, dass ich da noch einmal hin möchte.

 

 

 

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