Werksführung Thyssenkrupp Duisburg-Hamborn

Mal wieder ein Erlebnis der Extraklasse und besser als jeder Actionfilm.

Wer in Duisburg lebt, kommt an Kohle, Eisen und Stahl nicht vorbei.

Seit einiger Zeit ist das ja auch von den Autobahnen aus zu lesen. Die braun-weißen Schilder mit der Aufschrift “größter Stahlstandort Europas“.

Mich interessiert es sehr, wie das denn hinter den Werkstoren so zugeht. Also mache ich mich mal wieder zu einer Besichtigungstour auf.

Ich fahre mit der Straßenbahn bis zum Besucherzentrum. Die letzten drei Haltestellen sind alle schon entlang des riesigen Werksgeländes. Die Hochöfen, Schornsteine und allerhand andere hohe Gebäude sind bereits zu sehen. Ich bin immer etwas kribbelig gespannt wenn ich so etwas mache.

Im Besucherzentrum bekommen wir natürlich erst mal ein Infofilmchen wie toll Thyssenkrupp ist und was die alles so herstellen. Ist für mich aber völlig ok. Dann werden wir in den Sicherheitsbestimmungen unterwiesen. Wir bekommen unsere Helme (diesmal im knackigen Orange), Kopfhörer und nen halben Liter Wasser. Dann geht es ab in den Bus.

Und dann geht es los mit der Informationsflut in Superlativen. Hier nur ein paar Beispiele.

Das Gelände hier ist 5x so groß wie der Staat Monaco. Eine Stadt in der Stadt.
72.000 Menschen arbeiten in Deutschland in der Stahlindustrie. Davon 20.000 in Duisburg und davon 14.000 hier in Hamborn.
Es gibt 13 Stahlstandorte in Europa. Duisburg ist der Größte.

Das besondere hier ist, dass es sich um ein vollintegriertes Hüttenwerk / Industrieanlage handelt. Das bedeutet, dass hier Kokereien, Hochöfen, Konverter und Walzanlagen an einem Ort sind und die Produkte unter „einer Flamme“ verarbeitet werden.

Mal ganz einfach gesagt: Kohle wird hier zu Koks gebacken (in der Kokerei), diese benötigt man im Hochofen mit anderen Materialien (Eisenerz, Möller) für die Roheisenerstellung, dann wird dieses Roheisen im Konverter zu Stahl verarbeitet und in den Walzanlagen zu Transport und weiterverarbeitungsfähigen Stahlbrammen oder Blechrollen ausgewalzt.

Aber dies soll nur ein kleiner Exkurs sein.

Viel spannender ist, über das Gelände zu fahren. Alles ist XXXXL. Die Koksöfen sind riesig. Alle 15 wird abgelöscht und es steigt eine riesige Verdunstungswolke auf. Wir fahren am werkseigenen Hafen vorbei. Dort liegen unzählige Schubleichter mit Material. Die Aufschüttungen für Erz, Koks und andere Materialien sind gewaltige Halden und über 100m lang. Maschinen die dieses Material hin und her schaffen sind so breit wie ein halbes Fußballfeld. Es ist ein geschäftiges Treiben auf dem Gelände. Immer fährt irgendetwas an uns vorbei. Mal LKW´s mit den Coils (Blechrollen) dann Loks mit 3 Torpedopfannenwagen die gerade flüssiges Roheisen abtransportieren.

Unser erster Stopp ist der Hochofen 8. Tja, der ist dann doch um einiges größer und höher als der Ofen 5 im Landschaftspark. Wir steigen bis zur Abstichebene auf. Und wir haben Glück. Gerade ist Abstich. Super. Zwar ist das meiste geschlossen aber wir können in die Abflussrinne hineinschauen. Wir kommen bis 2m ran und sehen das wabernde Roheisen abfließen. Gleißendweiß. Ab und zu fliegen ein paar Funken umher. Männer in silberner Schutzkleidung laufen umher und bedienen allerlei Armaturen. Sieht so nach Statisten aus einem 70er jahre Sci-Fi-Film aus. Irgendwie unwirklich. Obwohl das Meiste ja wie gesagt verdeckt ist, gibt es doch immer mal wieder Öffnungen, Abflüsse usw. Die Halle schimmert orange-rot und es ist muckelig warm. Dann ist der Abstich fast zu Ende und ein Arbeiter säubert die Abflußrinne.Ich kann mich gar nicht satt sehen, so schön sieht der Funkenflug aus. Ich stehe am äußersten Zipfel der Besuchermarkierung. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was ist wenn mich so ein Funke trifft. An einer anderen Stelle kann man sehen wie das flüssige Roheisen in den Torpedowagen abfließt. Hammer.

Leider müssen wir weiter und es geht zurück zum Bus. Jetzt fahren wir weiter zum Konverter. Dort wo aus Eisen Stahl entsteht. Wir steigen einige Treppen hinauf und sind ca. 9m hoch.

 

 

Wir haben wieder unbeschreibliches Glück. Zwei  Konverter werden gerade befüllt. Wir sind in einer riesigen Halle. Ich stehe direkt vorne am Geländer. Plötzlich hebt sich mittels eines Monsterkrans ein Behälter mit flüssigen Roheisen. Er hebt sich bis auf unsere Augenhöhe und schwenkt auf uns zu. Mir wird mulmig, wieder nah der wohl kommt. Außerdem wird es ratz fatz mal so richtig warm. Der Behälter samt Inhalt wiegt so viel wie eine 747. Er macht eine Pause und bleibt vor uns stehen. Nur knappe 5m von mir schaukeln nun zig Tonne glühendes Roheisen. Unweit von uns ist eine Etage höher der Konverter zu sehen. Er schwenkt permanent vor und zurück. Immer wenn er nach vorne schwenkt sehen wir die riesige Öffnung in der auch jede Menge glühendes helloranges Material sein muss. Wir bekommen erklärt, dass dieser Konverter jetzt erst mal mit zwei Ladungen Stahlschrott befüllt wird. Und das mit einer Schrottmulde. Diese sieht wieder aus wie ein Requisit aus Star Wars. Nur ohne Flügel. Auch diese kommt mittels eines Monsterkrans auf den Konverter zu. Und dann wird diese Schrottmulde geneigt und der Schrott fällt in den Konverter. Was für ein Krach. Erst recht als die zweite Ladung eingefüllt wird. Das muss schwerer Schrott sein. Es rumpelt ganz schon. Wir spüren die ganze Zeit die Vibrationen unter unseren Füßen.

Plötzlich bewegt sich „unser“ Roheisenbehälter weiter an uns vorbei Richtung Konverter. Er wird angehoben, gekippt und ein mächtiges Schwall glühendes Roheisen ergießt sich in den Konverter. Laut unseres Guides macht er das heute irgendwie recht langsam mit Pausen. Und für den Rest schwenkt noch mal ne Kipphilfe heran, so dass sich die Neigung des Behälters verstärkt. Ganz ehrlich. Das klingt jetzt vielleicht nicht sehr aufregend, aber das ist besser als jeder Action- oder Sci-Fi-Film. Die Bilder sind mehr als beeindruckend, man spürt das Rumpeln, die Bewegung der Maschinen und wir haben alle rote Bäckchen. Vor Wärme, aber bei mir ist auch ne gehörige Portion Aufregung und Beeindruckung dabei.

Der leere Roheisenbehälter schwenkt zu uns zurück und unser Guide warnt uns. Vor was? Näher als vorher ist der doch auch nicht. Aber recht bald wissen wir warum. Der Kran tut uns den gefallen und setzt den leeren Behälter vor uns auf den Boden ab. Wir können in den leeren Topf gucken. Wenn man das denn aushält. Es steigt eine irre Hitze in unsere Gesichter. Der Vorhof zur Hölle, so unser Guide. Und damit liegt da echt nicht verkehrt. Und trotzdem kann ich mich nicht satt sehen obwohl mir fast das Gesicht verglüht. Die Innenwände des Topfs glühen selbst noch weiß uns entgegen.

Wieder blicken wir nach rechts. Die „Tore“ des Konverters schließen gerade. Auch wenn ich mich wiederhole. Es ist wie im Film. So ein Tor eines Raumschiffs oder einer Raumstation durch das der Held sich in letzter Sekunde durchquetschen muss. Geil.

Hinter unserem Eisentöpfchen sind die Behälter der Entschwefelungsanlage. Die gleichen Behälter mit flüssigem Roheisen in dem mittels einer gewaltigen Lanze Sauerstoff in das Eisen geblasen wird. Diese Lanze wird gerade herausgezogen und zum nächsten Behälter geschwenkt. Es gibt ein wahres Meer an Funkenflug. Besser als jedes Feuerwerk.

Laut unserem Guide sollen wir mal Richtung zweitem Konverter gucken. Bei dem wird nämlich der Schwenktopf gerade von dem Material gereinigt welches am Rand hängt. Das Gerät sieht aus wie das Ding beim Zahnarzt beim Zahnstein entfernen nur 1 Million mal größer.

Und dann kommt schon der nächste Behälter mit flüssigem Roheisen. Unser Guide meint, wir sollen dann mal weiter weil die Hitze bei zwei Töpfen dann echt nicht auszuhalten wäre. Ach manno…..In dieser Halle könnte ich den ganzen Tag verbringen. Ein absolut beindruckendes Erlebnis.

Danke Thyssenkrupp, dass man so was bei Euch machen kann. Super Erlebnis.

Ich kann das nur jedem empfehlen.

Fotos von ThyssenKrupp