Muscat – Nizwa – Jabreen

Über Silvester in den Oman und den Jahreswechsel in aller Stille in der Wüste verbringen.

Warum nicht? Nach meinem kurzen Ausflug in die Wüste Marokkos hat es mich eh wüstentechnisch erwischt und ich wollte schon immer mal in der Wüste schlafen.

Muscat

Los ging es allerdings erstmal in Eis und Schnee. Weihnachten hatte es mal wieder nicht geschneit… Dafür aber genau einen Tag nach Weihnachten. Und das nicht zu knapp. Totales Chaos in Deutschland. Nichts geht mehr. Schon gar nicht am Flughafen Frankfurt. Zig Flugausfälle und unzählige Verspätungen. Ich fliege ja erst einen Tag später. Hoffentlich hat sich bis dahin alles halbwegs normalisiert. Da ich erst noch mit der Bahn zum Frankfurter Flughafen fahren muss hab ich mir sicherheitshalber ne Stunde zusätzlich eingeplant. Man weiß ja nie. Aber, man staune, die Bahn fährt pünktlich. Alles bestens. Aber am Flughafen ist der Teufel los. So voll habe ich den noch nie erlebt. Von meinem großzügigen 4- Stunden-Zeitfenster von der Bahnankunft bis zum Boarding bleibt so gut wie nichts übrig. Ich benötige alleine schon 2 Stunden nur für das Check-in, trotz Self-Check-in am Automaten. Aber ich habe einen Trekking-Rucksack und den wollen sie beim Baggage-drop-off nicht annehmen. Umsonst angestanden. Dann halt zum Sperrgepäckschalter, wieder anstehen. Ich bin fast dran. Dann: Polizei und Sperrung dieses Flughafenbereichs wegen unbeaufsichtigtem Gepäck….. Jetzt wird das aber langsam knapp. Zum Glück weiß ich, dass es einen zweiten Schalter für Sperrgepäck gibt. Also kleiner Sprint durch den halben Flughafen. Da ist die Schlange auch relativ kurz. So! Hab ich das schon mal geschafft. Aber beim security-check wieder eine endlose Schlange. 1,5 Stunden brauche ich bis ich da durch bin. Dann zum Gate und ich kann mehr oder weniger direkt einsteigen. Dann noch mal eben enteisen und dann geht es mit nur 45 Minuten Verspätung auch schon los. Ein kleiner Zwischenstop in Abu Dhabi und dann sind wir kurz vor Mitternacht in Muscat. Was für eine Wärme! Herrlich! Ich muss sofort einige Lagen meines deutschen Winter-Outfits loswerden. Noch einmal Anstehen für das Visum und die Passkontrolle und dann sind wir endlich da. Aber unsere Reisegruppe steht nicht alleine in der Ankunftshalle. Die Gruppe die schon einen Tag früher ankommen sollte ist auch jetzt erst da. Von unserer Gruppe fehlt in etwa einem Drittel das Gepäck. Chaos Frankfurt denke ich. Nach dem Sortieren der beiden Reisegruppen geht es dann endlich Richtung Hotel. Wir werden auf die Zimmer verteilt und ich habe super Glück mit meiner „besseren Hälfte“ des halben Doppelzimmers. Charlotte ist super nett und wir verstehen uns auf Anhieb blendend. 🙂

So, nach dem ich einigen gepäcklosen Mitreisenden noch einige meiner überzähligen Kleidungsstücke zur Verfügung stellen kann, starten wir unseren Tag in Muscat. Wir beginnen mit der Besichtigung der großen Sultan-Qaboos-Moschee. Oh mein Gott, ist die schöööön. Ich finde es immer wieder beeindruckend, welche Ruhe diese Gebäude und deren Innenhöfe ausstrahlen. Charlotte und ich verlieren im allgemeinen Gewusel am Eingang direkt unsre Gruppe. Macht ja nichts. So können wir wenigsten unser Tempo gehen und einfach nur die Stille und die Schönheit der Moschee genießen. Die Moschee ist eine Moschee der Superlative. Und wieder einmal bin ich die arabische Architektur und Ornamentik verliebt. ♥

Danach geht es zum Natural-History-Museum. Klein aber fein werden uns dort die verschiedenen Vegetationen des Landes gezeigt. Die Ausstellungsräume überzeugen Charlotte und mich jetzt nicht wirklich. Dann lieber noch mal raus und den Weihrauchbaum ansehen, der vor dem Eingang steht. Eigentlich wachsen Weihrauchbäume in der Gegend um Salala, aber einmal so einen Weihrauchbaum zu sehen ist schon toll. Ich hatte mir vorher nie Gedanken darüber gemacht wo der Weihrauch eigentlich herkommt. Daneben wächst eine Pflanze die einen wunderschönen Duft versprüht. Als wird da so stehen und uns gar nicht satt riechen können, kommt ein Omani zu uns und erklärt uns lang und breit was das für eine Pflanze ist und wofür sie verwendet wird. Er pflückt uns noch mehrere schöne Zweige davon ab, weil wir doch unbedingt mit nach Hause nehmen sollen. Von alleine würde ich ja nie etwas abreißen. Danach geht es in die „Altstadt“ zum Al-Alam Palast, dem Arbeitspalast von Sultan Qaboos. Dieser ist nur von außen zu besichtigen und hat eine eigenwillige Architektur. Erinnert so ein bisschen an Lego-Duplo. Wir machen einen Spaziergang um den Palast bis zu den Festungen Al Mirani und Al-Jalali. Im Anschluss daran fahren wir in den Stadtteil Muttrah zum Mittagessen. Omanische Küche. Lecker. Nach dem Essen wandern wir auf dem Muttrah-Trek vom Hafen bis in den Souq. Die Wanderung ist mal richtig klasse. Es ist schon irre, wie nah die Ausläufer des Gebirges an die Stadt heran reichen. Das ist jetzt nicht wahnsinnig hoch, aber immerhin gibt es schon ein paar gute Anstiege, von denen man eine tolle Aussicht in den Hafen hat. Das ist so ein richtiger Kraxel-Weg. Das macht super Spaß. Wir kommen direkt im Souq aus, so dass die „Gepäcklosen“ noch das ein oder andere Kleidungsstück erstehen können. Ich selber kaufe mir natürlich wieder auch etwas Landestypisches zum Anziehen. Dann geht es zurück ins Hotel, etwas frisch machen und dann zu einem gemeinsamen Abendessen in ein wunderschönes Restaurant. Dies ist nicht einfach zu finden, aber es lohnt sich. Man sitzt draußen, zwischen Palmen und orientalischen Windlichtern, es ist noch angenehm von den Temperaturen und dazu wieder ein köstliches omanisches Essen.

Nizwa

Am nächsten Tag geht es nach Nizwa, der ehemaligen Hauptstadt Omans. Die Stadt wird beherrscht von einem riesigen Fort. Herzstück des Forts ist der gewaltige Rundturm mit seinen 36m Durchmesser. Von dort oben hat man eine grandiose Aussicht auf die Stadt und in das Gebirge. Dieses Fort ist absolut schlicht. Kaum Ornamente, einfache Holztreppen und Holztüren. Irgendwie ist alles in einer Farbe und gerade diese monochrome Schlichtheit strahlt eine absolute Ruhe aus. Die schlichten Wände bieten den perfekten Hintergrund für die Schattenbilder der Bauteile.

Aber irgendwie ist es heute ein wenig hektisch. Da wir aufgrund des fehlenden Gepäcks noch einen großen Supermarkt ansteuern wollen, wird unsere Besichtigungszeit um eine halbe Stunde eingekürzt. Das heisst für mich: Verzicht auf die Toilettenpause und lieber noch ein wenig auf eigene Faust durch das Fort. Die anderen gehen nur auf dem Turm und verpassen die ganzen verwinkelten Gänge und unzähligen kleinen Räume des Forts. Ich genieße den kleinen einsamen Streifzug durch das Fort und habe das Gefühl in der Zeit zurück zu gehen. Das Fort strahlt so eine schlichte Gelassenheit aus, dass man selber ganz ruhig wird.

Vom Fort aus gehen wir zu Fuß zum Souq. Vorne an gibt es natürlich den typischen Touri-Souq mit Weihrauchbrennern, Omanischen Kaffeekannen und weiteren Töpfereien. Wir gehen aber weiter durch und kommen zum eigentlichen Souq. Leider sind wir noch zu früh daran, so dass die Geschäfte mit Kleidungen usw. noch geschlossen sind. Aber so kann ich wenigsten die Architektur bewundern. Diese ist ja kaum zu erkennen, wenn die Händler ihre Waren über die gesamte Fassade hängen. Ich liebe diese Holztüren mit ihren alten Beschlägen. Wir durchqueren diese Passage und kommen zum „Lebensmittel“-Souq. Dieser hat schon geöffnet. Das sind absolut schlichte Markthallen nach Produkten sortiert. Aber die Eingänge sind mit schönen Ornamenten und Beschriftungen versehen. Ich möchte auf jeden Fall Datteln kaufen. Ich finde die Halle, wo es ausschließlich Datteln, Honig usw. gibt. Ich werde von einem Omani super beraten und probiere mich durch das halbe Sortiment. Schließlich entscheide ich mich für eine nicht ganz so süße Dattelart und wähle auf jeden Fall eine omanische Sorte. Es wird auch viel aus Tunesien importiert.

Dach fahren wir zum Supermarkt, um für unsere nächsten drei Tage in der Wüste einzukaufen. Hierzu habe ich aber einen separaten Erlebnisbericht verfasst. Siehe „Wüstenzauber“.

Jabreen

Nach dem wir aus der Wüste zurück sind, übernachten wir mal wieder in einem Hotel. Ist ganz komisch wieder in der Zivilisation zu sein. Von mir aus hätte das Camping noch länger sein können. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mich freue mal wieder meine Haare waschen zu können. Dafür habe ich in der Wüste natürlich kein kostbares Wasser verschenkt.

Am nächsten Morgen besichtigen wir Jabreen Castle. Auffällig ist, dass wir die einzigen Besucher sind. Ist man von Sehenswürdigkeiten ja sonst nicht gewohnt. Aber das ist natürlich super angenehm, weil so die Ruhe des Gebäudes wirklich rüberkommt. Von außen ist es dieses Fort auch relativ schlicht. Aber nicht von Innen! Mein innenarchitektonisches Herz ist begeistert. Alle Räume strahlen eine wie immer ruhige und angenehme Eleganz aus. Auch hier gibt es wieder unzählige verwinkelte Gänge, Treppenaufgänge und wunderschöne Räume. Berühmt ist dieses Fort für seine beeindruckenden Holzdecken, die mit farbigen Blüten und arabische Schriften aus dem Koran verziert sind. An den Treppenauf- bzw. -abgänge sind arabische Schriften im Stuck eingearbeitet. Da es draußen ja immer sehr warm ist, gibt es wie immer nur kleine Fenster (natürlich ohne Glas, das braucht man hier nicht) oder mit Ornamenten verzierte Öffnungen, die zwar Licht, aber kaum Sonne rein lassen. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke in die Landschaft oder die schönen Innenhöfe. Hier würde ich gerne mal ein paar Tage verbringen damit man die schönen Räume mal so richtig genießen kann.

Nach diesem schönen Fort machen wir uns auf den Weg ins Gebirge. Hierzu gibt es wieder einen separaten Bericht: „Gebirge, Wadis und Bergoasen“.

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