Kulturlinie 901 – Duisburg

Ich liebe das ja, wenn Stadtführungen mal anders sind. Und so habe ich mich heute auf den Weg gemacht, um an der Tour „Kulturlinie 901“ teilzunehmen.

Das ist eine Stadtführung per Bahn in zwei ganz unterschiedliche Stadtteile außerhalb der City.

Es geht in das schicke Hanielviertel in Ruhrort und in das geschäftige Marloh, oder Müxlü, wie der Duisburger dazu auch sagt.

Wir starten am Rathaus in der City. Natürlich gibt es etwas zum Rathaus und zu Gerhard Mercator zu sagen. Und auch nach der zigsten Stadtführung hab ich doch schon wieder etwas Neues erfahren. Diesmal hat man mir endlich erklärt wer die beiden Figuren am Hauptportal des Rathauses sind. Wilhelm I. und Karl der Große.

Aber dann geht es Richtung U-Bahnstation „Rathaus“, wo wir in die Linie 901 steigen wollen. Jeder unserer U-Bahnstationen ist ja individuell gestaltet. Wir erfahren auch hier etwas über die Gestaltung der Wände.

Dann kommt die Bahn, wir steigen ein und es geht Richtung Ruhrort. Wir passieren Kunst in Kasslerfeld. Im Vorbeifahren. Erster Halt „Tausendfensterhaus“.

Wir steigen aus und besichtigen das Tausendfensterhaus. Ich kenne das Haus schon seit meiner Kindheit. Nach dem Besuch bei Oma sind wir dort immer vorbei gefahren und jedes Mal habe ich versucht die Fenster zu zählen. Keine Chance. So lang hat die Bahn davor nicht gehalten. Mittlerweile weiß ich, dass es 510 Fenster hat. Es gibt eine kleine Lesung  zu diesem Haus. Ein sehr schöner Kext. Den kannte ich noch nicht. Wieder ein Highlight für mich.

Dann geht es zu Fuss weiter durch Ruhrort. Wir erlaufen uns den schmucken Teil rund um Haniel und erfahren einiges zur Architektur und über die Familie Haniel.

 

 

Es geht weiter bis zur Schifferbörse. Ohne Hafen kommt man in Duisburg ja nicht drum herum. Wir haben freie Sicht auf Oskar Huber, Rheinorange und Poseidon. Sprich: Ein Museumsschiff, die Landmarke, wo die Ruhr in den Rhein mündet und eine Skulptur von Lüpertz.

Auf dem Leinpfad laufen wir weiter bis zum Hübi, die Kultkneipe am Hafen. Wir biegen in die Schimanskigasse ein und laufen bis zum Neumarkt.

 

 

Heute ist Markttag. Der Kultkiosk hat geöffnet und wir gönnen uns alle ein Heissgetränk. Soviel Zeit muss sein. Die Besitzer halten einen netten Plausch mit uns. Es herrscht eine gute Stimmung in unserer Truppe und jeder trägt seine Erlebnisse und sein Wissen in die Unterhaltung mit ein. Ich fühl mich wohl und freu mich, dass ich heute hier dabei bin.

Wir bummeln weiter durch Ruhrort bis wir bei der Malerei Pieper vor der Türe stehen. Das berühmte Bananenhaus. Herr Siegel (der Besitzer) hat uns durchs Fenster gesehen und kommt auch direkt raus. Er lässt es sich nicht nehmen selbst etwas zu seinem Betrieb und von ihm bepinselten Fassaden in Ruhrort zu erzählen. Bevor wir weitergehen sag ich noch persönlich hallo. Schließlich waren wir vor ein paar Jahren noch Nachbarn und es freut mich sehr ihn mal wieder zu sehen. Das ist so ein begeisterter Ruhrorter bzw.  Duisburger . es macht immer Spaß sich mit ihm zu unterhalten oder ihm einfach nur zuzuhören.

Dann geht es zur Haltestelle „Karlstrasse“ und wir machen uns auf, weiter in Richtung Marxloh. Da leider der Fuhrpark der DVG (Duisburger Verkehrsgesellschaft) aktuell etwas angeschlagen ist, steigen wir auf  halber Strecke in den Bus um. Es wird etwas kuschliger, aber die stimmung ist trotzdem gut. Ausserdem haben wir ausnahmsweise ein Kamerateam des Duisburger Stadtfernsehens (Studio 47) dabei. Und wie die Duisburger so sind kommen wir mit vielen anderen ins Gespräch. Was wir denn hier machen usw. Das ist Duisburg. Das liebe ich. Direkt und offen gefragt. Und wieder entstehen tolle Gespräche.

In Marxloh steigen wir aus. Marxloh  – das Viertel der 100 Bräute. Hier reiht sich ein Brautmodengeschäft an das andere. Wir erfahren, dass wir es diesem Wirtschaftszweig zu verdanken haben, dass Marxloh überhaupt noch steht. Neben den Geschäften für Brautmoden gibt es nämlich dann noch welche für Schmuck und Geschenke und natürlich auch zahlreiche Lokalitäten zum Feiern. Diese Dichte an Brautmodengeschäften ist in Deutschland (und ich möchte behaupten, in Europa) einzigartig. Es kommen Interessierte aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich.

In Marxloh gibt es die einzigen Ampelmännchen, wie sie auch in Berlin zu finden sind.

 

 

 

Hier kehren wir in einem türkischen Lokal ein. Wir sitzen in der ersten Etage direkt am Fenster und haben einen super Ausblick auf die Kreuzung Pollmann. Die Kreuzung in Marxloh. Vor uns stehen drei riesige Platten mit einer bunten Mischung aus kleingeschnittenen türkischen Pizzen mit den verschiedensten Füllungen. Dazu bestelle ich mir einen schönen türkischen Tee. Meine Sitznachbarin möchte ein Bier. Aber Alkohol gibt es hier nicht. Die Bedienung ist super nett.

Aber Marxloh ist nicht nur Brautmode und Geschäftiges Treiben. Unweit der großen Kreuzung biegen wir nach dem Essen auf den Skulpturenpfad. Dies ist ein Grüngürtel der sich von Pollmann bis zur Moschee und darüber hinaus zieht. Einige der Gruppe kommen nicht aus Duisburg und sind ganz erstaunt über diesen grüne Insel. Auch hier erfahren wir wieder etwas über die Geschichte des Viertels. Das erzählt mir unser Tourenleiter, dass hier in Marxloh auf einer Freifläche vor ehemaligen Siedlungshäuschen einige Szenen aus dem Film „ Das Wunder von Bern“ gedreht wurden. Cool! Das hab ich auch noch nicht gewusst. Er zeigt uns ein Foto und man kann wirklich die Häuser wieder erkennen. Ich wette das wissen die wenigsten. Super.

Dann geht es weiter bis zur Moschee. Aktuell die größte Moschee in Deutschland. Zumindest bis die in Köln fertig gestellt ist. Es ist gerade keine Gebetszeit und wir gehen auch hinein. Natürlich vorher Schuhe ausziehen. Ich war schon ein paar Mal dort drin, aber ich bin jedes Mal wieder beeindruckt wie schön diese Moschee ist. Die gewaltige Kuppel mit ihren schönen Ornamenten und den Wahnsinns Leuchter. Von außen gibt es ein tolles Fotomotiv. Die Moschee mit ihren Kuppeln und Minaretten und im Hintergrund die Hochöfen von Thyssenkrupp. Das hat schon was.

Wir schlängeln uns weiter durch Marxloh und kommen wieder Zur Haltestelle. Jetzt geht es zurück in die City. 5 Stunden weg wie nix. Das war eine fantastische Tour. Daumen hoch für Duisburg. Ich komme noch mit dem Tourleiter ins Gespräch und er erzählt mir, dass es in Duisburg einfach möglich ist solche Dinge, wie diese Tour, zu machen. Hier hat man Platz und Interesse an solchen Dingen. Das sehe ich ganz genauso.

Im Anschluss daran werde ich und noch einige andere noch vom Fernsehteam interviewt. Den Beitrag gibt es 5 zage später in TV zu sehen. Das werde ich mir auf jeden Fall angucken.

Daumen hoch für Duisburg. ♥